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Sag Nein zum Routerzwang

Immer mehr Provider untersagen, beliebigen Router verwenden zu dürfen. Nach einem Workshop im Juni bittet die Bundesnetzagentur nun um Stellungnahme. Hier ist meine Stellungnahme dazu.

Wer auch eine schicken möchte:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin freiberuflicher Berater für IT-Sicherheit. In meinen Büro- und Privatanschlüssen werden nur Anschlüsse zum Einsatz kommen, die dem

Modell A: Netzzugangsschnittstelle vor dem Leistungsabschlussgerät

entsprechen.

Denn mein Unternehmen muss die Hoheit über die Netzgrenze haben. Aus mehreren Gründen:

  • Unsere Kunden fordern, dass wir unser Netzwerk schützen. Sollte wir gezwungen sein, ein Endgeräte eines TK-Anbieters bei uns zu installieren, so müssten wir dahinter ein zweites Geräte installieren, über das wir die Hoheit haben. Jedes weitere Geräte bedeutet aber nicht nur höheren Strombedarf, sondern auch *höheres Ausfallwahrscheinlichkeit* des Gesamtsystems.
  • Wir könnten keine Vorsorge mehr treffen gegen Hardwareausfall. Wenn der Router/Modem des TK-Anbieters kaputt geht, sind müssten wir warten, bin dieser sich bequemt, Ersatz zu liefern. Nur mit einem Router, den wir unter unserer Hoheit haben, können wir ein Ersatzgerät vorhalten und binnen Minuten einbauen.
  • Als High-tech-IT-Unternehmen können wir uns nicht abhängig machen von Technik-Entscheidungen, die ein TK-Anbieter trifft. Beispielsweise könnte der TK-Anbieter entscheiden, zwangsweise NAT zu aktivieren, oder bestimmte Protokolle zu filtern Damit könnten wir aber einen Großteil unserer Tätigkeiten nicht mehr durchführen. Selbst wenn der Anbieter heute zusagt, dies nicht zu tun, würde ein Router unter seiner Hoheit ermöglichen, dies von heute auf morgen umzustellen -- ohne Chance für uns, Vorsorge zu treffen.

Zudem gibt es einige Marktpolitische Gründe gegen den "Routerzwang":

  • Ein "Routerzwang" würde zudem zu einer Marktverzerrung führen: Nicht mehr die Anschlussnehmer entscheiden, welche Features sie haben sollen, sondern der TK-Anbieter. Der Anschlussnehmer müsste doppelt zahlen: das Gerät des TK-Anbeiters und das, das die gewünschten Features bietet. Denn das Gerät des TK-Anbieters ist ja nicht geschenkt.
  • Ein "Routerzwang" würde TK-Anbietern die Möglichkeit geben, proprietäre, nicht standard-konforme Übertragungsprotokolle zu nutzen. das wiederum könnte Auswirkungen auf die anderen Teilnehmer an der gleichen Leitung haben (ähnlich wie jetzt bereits DSL-Vektoring) und anderenn Anbietern den Zungang zur Teilnehmerleitung verwehren.
  • Damit wäre der Teilnehmer womöglich *nicht mehr frei, seinen TK-Anbieter* zu wechseln. Eine Re-Monopolisierung könnte die Folge sein.

Einen Anbieter, der uns zwingt, einen Router/Modem unter dessen Hoheit anzuschließen, würde bei und aus der Auswahl fallen. Sollte unser momentaner Anbieter dies zukünftig verlangen, würden wir wechseln.

Schönen Gruß
Hartmut Goebel